01
Nov

85 | Mischtonträger XI

Es war wieder Dienstag, also sprach Zarathustra von Mineralwasser. Er liebte es, wenn sie sprach. Von Spurenelementen. Institut Fresenius, Flaschenhalsgestaltung und Kohlensäuregehältern. Von Magnesium. Wie der Junkie den goldenen Schuss setzt, so setzte diese Frau den Goldenen Pfeil in sein Herz. Ganze Galaxien hatte sie vorsichtig, in kurzen Rucken und ohne ihn zu sehr zu schütteln, in ihm geöffnet. Sie macht ihn einfach glücklich - with wordplay. Doch heute, an diesem Dienstag, da spricht sie nicht von Mineralien und macht auch keine Wortspiele. Sie sagt: “Duweißtwieesumunssteht”, “Ja, du bist Das einzig Heilige, dass ich je sah”, antwortet er. Und doch nennt sie ihn einen Freak, sagt ihm er solle jetzt nach Hause gehen. Aus dem kleinen Diner, mit den Neonbuchstaben, direkt hinter der Autobahn. Aber wie bald ist schon jetzt? Ihr ist doch sein ganzes Herz! Er liebt, sprudelnd, ist keine Maschin. Am Ende ist es doch Liebe, die uns entzwei reist. Liebe zur Frau, zur Familie, ja von mir aus sogar die Liebe zu Gott, Mohammed, Jesus etc. Wir hinterlassen ja doch nichts, vielleicht dank der Deutschen Verwaltung gerade eben noch Papierspuren. Er fährt zurück in die Ein-Zimmer-Wohnung. Im blau-grauen Sp2500 Coupé. Verdeck offen. Wind. Und dank der Deutschen Verwaltung 270 km/h.

29
Oct

84 | Wer hat noch nie?

Es muss irgendwann gegen Ende der dritten Klasse gewesen sein. Ich glaube kurz nachdem wir das Thema Biologie in Sachkunde angefangen hatten. Da irgendwann, zu dieser speziellen Zeit im Leben eines Kindes, da muss es angefangen haben. Dass du der Größte warst. Wenn du “Sex” sagen konntest. Es war die Faszination mit dieser, so definitiven, eindeutigen, formulierbaren Eigenschaft des Erwachsen-Werdens. Dem Sex. Es ging gar nicht um das Dahinter oder das Darunter. Oder überhaupt Sex. Mädchen waren bäh. Und Sex hatte auch nichts mit Mädchen zu tuen, damals. Sex war die Antwort auf alles. Es befand sich irgendwo zwischen peinlich und wünschenswert. Sag mal Klettergerüst. Klettergerüst. Du hast ne nackte Frau geküsst. Da war der Tag dann erst mal gelaufen, nach so einer Aktion.

19
Oct

83 | Schokolade in Zeiten des Klimawandels

Eigentlich hatte ich mir für das Wochenende vorgenommen, meinem liebsten Hobby zu fröhnen: Parteiprogramme schreiben. Vielleicht ist sie bisher nur mir aufgefallen, aber es gibt eine eindeutige Marktlücke im deutschen Politzirkus. Dank Trump weiß ich jetzt, den Klimawandel zu leugnen schadet nicht dem politischen Image. Und das war doch ein geiler Sommer - oder etwa nicht? Ich glaube, was Deutschland fehlt, das ist eine Pro-Klimawandel-Partei! Gehen sollte das. Und an Wählern sollte es auch nicht mangeln. Schauen wir uns die beiden großen Wahl-Gewinner der Bayern-Wahl an, stellen wir fest: Wähler bekommt man mit radikalen Ansichten und dem Thema Umwelt. Warum nicht beides in einer Partei? Mathematisch könnte ich dann 27,7 % (Grüne: 17,5 % und AFD 10,2 %) aller Stimmen bekommen und wäre dann zweitstärkste Partei. Ich hatte den Bleistift schon angespitzt (in solch politisch wankelmütigen Zeiten meißel ich das mal lieber nicht direkt in Stein) und Blasenpflaster aufgeklebt. Und da hab ich dann leider unbedacht ins Abendblatt geschaut.

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