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4 | Interview mit Astrid Henn

Astrid wurde in Aachen geboren und hat dort visuelle Kommunikation studiert. Sie war zunächst Artdirektorin für einige Hamburger Werbeagenturen und hat sich dann selbstständig gemacht. Mit Anfang 40 hat sie begonnen auch als Illustratorin mit einem Schwerpunkt für Kinderbücher zu arbeiten, was sie heute hauptberuflich macht. Sie lebt und arbeitet immer noch in Hamburg und illustriert unter anderem für den Arena, Ravensburger und CarlsenVerlag.

Von Johannes Hassenstein
Mit Astrid Henn

Astrid, dein Weg zur Illustratorin verlief ja nicht so ganz schnurgerade. Erzähl mal wie du zu deinem Beruf gekommen bist?

Ich habe ja angefangen visuelle Kommunikation zu studieren, da hatte ich aber noch gar nicht den Plan mal später zu illustrieren. Das Fach hatte ich lustigerweise auch gar nicht im Studium. Wir haben immer, mit so einem großen Gerät Buchstaben geschossen, es gab ja noch keine Computer. Also das war so ein großer Kasten mit allen Buchstaben und Zeichen und der hatte so eine kleine Art von Pistole und mit der schoss man dann den Text denn man setzen sollte. Aber der Kasten hatte keine Anzeige. Also du schießt zum Beispiel J-O-H-A-N-N-E-S und dann kommt jemand und fragt dich Was und dann weißt du nicht mehr wo du gerade warst. Dann wird das entwickelt und dann kriegst du so einen kleinen Bogen wo dein Text drauf ist und dann darfst du mit dem Skalpell alles zerpflücken und ordentlich formatieren.

Das klingt so als ob der Computer das Leben des Grafikdesigners doch stark verbessert hätte…

Ja, jedenfalls vereinfacht. Aber ich habe dadurch ein sehr gutes Auge für den Grauwert eines Textes bekommen. Ich mach ja manchmal bei den Verlagen auch die Typo und dann arbeite ich teilweise mit Leuten zusammen die den Beruf halt nur am Computer gelernt haben und die wissen dann gar nicht, dass man nicht nur den Text auf Blocksatz stellen kann sondern ganz individuell spacing zwischen die Buchstaben geben kann.

So nach dem Studium warst du ja erst einmal Artdirektorin, aber ja immer noch nicht Illustratorin?

Richtig. Ich hab als Kind schon Kinderbücher malen wollen nur wusste ich damals natürlich nicht wie das gehen soll. Und dann kam irgendwann mein Sohn zur Welt und dann hab ich nicht mehr als Artdirektorin arbeiten können und nach der Elternzeit auch nicht wieder einsteigen können. Ich hab dann erst in einer Bäckerei gearbeitet bis mich mein Mann mit meiner damaligen Portfolio Mappe zur Buchmesse geschleift hat. Ich hab immer schon nebenher gemalt und gezeichnet und alles was in der Agentur so an Illustration anfiel gemacht und plötzlich hatte ich dann meinen ersten Job als Illustratorin. Ich hatte damals so eine kleine Wasserfarben Illustration von zwei Kindern im Zelt dabei. Und an dem einen Tisch hat die Lektorin mich angeguckt und gesagt „Da haben sie ja mit komplett sicherer Hand alles falsch gemacht was man nur falsch machen kann!“ und Die am nächsten Tisch hat gesagt, das sei die beste Illustration in der ganzen Mappe.

Das heißt ob man eine Illustration nun gut findet ist im Endeffekt Geschmackssache. Wann ist eine Illustration denn deiner Meinung nach gut?

Wenn sie ihren Job gut macht. Wenn sie einen Text unterstützen soll und das gut macht dann ist es eine gute Illustration. Soll sie ein Buch verkaufen und tut das gut dann ist das auch eine gute Illustration. Die Illustration alleine muss gar nicht ansprechend oder ästhetisch sein, aber wenn sie das im Kontext ist dann reicht das schon und dann ist sie gut.

Und was macht eine Illustration dann kindgerecht?

Naja da geht es hauptsächlich um die Altersgruppe. Die muss es verstehen können und damit umgehen können. Tatsächlich ist das Interessante, dass die Illustration nicht dem Kind sondern den Eltern gefallen muss. Denn die kaufen das Buch ja. Es kann aber auch schön sein wenn man als Elternteil dem Kind die Illustration und die ganze Situation erklären kann, also können Illustrationen auch durchaus so komplex sein, dass das Kind sie alleine gar nicht versteht und der Sinn sich erst mit den Eltern erschließt.

Du musst also ein verbindendes Element zwischen Müttern und Kindern finden …

Ja, tatsächlich wird in Deutschland gerne was Witziges gekauft das könnte durchaus der Humor sein der Eltern und Kinder verbindet.

Schreibst du eigentlich auch selber Bücher?

Ja mach ich, die Verlage fragen auch immer an, das ist immer noch eine gute Werbung und was Besonderes wenn ein Illustrator auch selber schreibt.

Das heißt du könntest dir auch vorstellen wirklich nur noch für dich selbst zu arbeiten?

Ne das tatsächlich nicht. Ich hab inzwischen auch einfach echt klasse Autoren mit denen ich zusammenarbeite, nicht mehr nur so Lese-Anfänger Bücher und Erstleser und soetwas. Dann macht das auch richtig Spaß.

Wie läuft denn so ein Auftrag ab? Bewirbst du dich auf eine Ausschreibung, tritt der Autor an dich heran? Gibt es Illustrator Agenten?

Ja es gibt so etwas wie Agenten für Illustratoren. Hier in Hamburg sogar Eine, die spezialisiert ist auf Kinderbuch Illustratoren, Korinna Heine heiß die. Aber meistens ist es so, dass der Autor den Text dem Verlag verkauft hat. Das kann natürlich auch mal sein das ein Autor mit einem bestimmten Illustrator zusammenarbeiten will. Aber der Verlag sucht sich dann halt einen Illustrator oder eine Auswahl an Illustratoren aus und wenn der Autor auch schon ein gewisses Renommee hat, dann hat der da auch Mitspracherecht. Ansonsten ist es halt Sache des Verlages. Es gibt zum Beispiel auch so Illustrator und Autor Teams die eigentlich immer zusammen arbeiten. Die Autorin von „Das Grüffelo“ Julia Donaldson und der Illustrator Axel Scheffler zum Beispiel. Die arbeiten immer zusammen und die haben damit auch fast immer Erfolg. Die Illustrationen haben sich ja inzwischen zu einer eigenen Marke entwickelt, mit Merchandise und allem.

Das heißt Axel Scheffler dürfte inzwischen Millionär sein. Kann man also als Illustrator reich werden?

Also ein Beruf zum reich werden ist das trotzdem nicht. Soweit ich weiß sind besonders Kinderbuch Illustratoren am aller schlechtesten bezahlt unter den Illustratoren. Da verdienst du beim Editorial mehr. Also ich kenne ganz viele Illustratoren die Nebenjobs haben um über die Runden zu kommen. Ich denke immer, dass es ganz gut ist, dass ich aus der Werbung gekommen bin weil ich mache immer eine Kosten-Nutzen Rechnung und wenn sich ein Auftrag nicht rechnet lehne ich ihn einfach ab. Aber das Ding ist, selbst wenn man seinen Stundenlohn hochrechnet kommt da immer noch nichts richtig Gutes bei raus aber es ist halt auch ein Job den man nur macht wenn man ihn liebt.

Wo zwischen Kunst und Design steht eigentlich Illustration? Ist es eines, beides, die ungeliebte Schwester, was völlig anderes?

Also bei den Verlagen sprechen die immer von Künstlern. Aber ich seh das nicht so weil du ja auch, wie beim Grafikdesign, einen Kunden hast, das heißt du musst auch kompromissbereit sein, du bist halt Dienstleister für den Verlag.

So zum Abschluß. Was ist das was du jemandem auf dem Weg geben würdest der sagt er will eine Tages Kinderbücher illustrieren?

Na zum einen muss man es lieben und zum andern muss man einfach immer dran arbeiten. Ich hab den Eindruck, dass die, die das schon ganz lange machen es einfach besser können.

QITAN