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42 | Du bist ein selbstsüchtiger Salat

Ich hätte nie erwartet, dass ein Lehrvideo zu Stoffkreisläufen, besonders nicht eins vom Simple Club*, mich einmal dazu bringen würde, meine Existenz zu hinterfragen (die verstoßen nämlich gegen ziemlich viele Hipnes-Grundsätze, dazu im Anhang mehr**). Aber das hat es. Es ward Sonntag gewesen, Gestern, und ich ward am lernen für mein Abitur in Chemie gewesen, eben jenes ich just vor einer Stund abgelegt, Montag, Heute. Im A-Heft (dem, nun zentralisierten, Vorgabenplan für das schriftliche Abitur) stand auch was von Kohlenstoff- und Stickstoffkreisläufen. Ich also an den Laptop, Erklärvideos gucken. Ja, die sind toll. Es kommt dieser Moment in dem Alex mir erklärt, dass die Phytoplankten im Wasser ja das CO2 in Sauerstoff umwandeln einfach nur weil sie das halt so machen. Atme ein. Und damit dann ganz aus Versehen Teil des großen Gleichgewichts der Hydrosphäre sind. Das ist ihr Lebenssinn. Atme aus. Bin ganz aus Versehen Teil vom großen Gleichgewicht geworden.

Von Johannes Hassenstein

Alles ist irgendwie im Gleichgewicht. Ob nun Schmetterlinge die Texaner ärgern oder du was Unwichtiges sagst und deswegen ein chinesischer Hafenarbeiter erschlagen wird. Völlig egal, alles Gleichgewicht. In Chemie ist das ein komplettes Semesterthema, in Biologie behandelt man die verschiedenen Naturkreisläufe. Den Stickstoffkreislauf zum Beispiel. Stickstoff aus der Luft wird von Bakterien in Ammoniak umgewandelt. Dann zu Nitrat. Das nehmen die Pflanzen dann auf, der Salat auch. Die Eiweiße essen dann die Tiere. Die Tiere essen dann andere Tiere. Wir essen dann die anderen Tiere. Sterben am Herzfehler, verursacht durch zu viel Cholesterin, werden begraben. Vermodern. Die Pilze zersetzen uns. Rate mal in was. Ja genau. Ammoniak.

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Und all diese Lebensformen machen das einfach. Die Blume blumt, die Bakterien bakterieren so rum, die Tiere vegitieren. Niemand fragt nach dem Sinn. Der Salat wacht nicht morgens auf, zieht die Blätter zur Seite, steckt sich eine an und denkt sich. “Werde ich denn welk?! Kann das wirklich alles sein?” und “Ist mein Sinn wirklich Nitrat aufzunehmen, in Eiweiße zu zersetzen um Photosynthese betreiben zu können und gegessen zu werden?”. Nein das macht der Salat nicht. Der Salat macht einfach. Ganz selbstlos, ganz und gar zufrieden.

Und wir, wir sind immer so: Ne wir sind doch weit über dem Tier und noch viel weiter über den Pflanzen (Veganer einmal außen vor). Wir haben Sinn. Sind Gottes ausgewählte Rasse (also eigentlich sind das nur die Amerikaner, aber wir sind heute mal großzügig). Dabei sind wir doch auch nur ein Teil von diesem Stickstoffkreislauf. Atmen. Essen. Sterben. Sowie alle Anderen auch. Nur meckern die Anderen nicht die ganze Zeit rum.

Wenn wir denken, wir würden die Erde zerstören irren wir uns. Eigentlich machen wir nur uns kaputt. Zwar sterben die anderen auch, aber die kommen damit besser klar, die sind nicht ganz so egozentriert wie wir. Salate sind alles Kommunisten. Haben den Sinn des Lebens gefunden. Denken gemeinschaftlich. Das setzt für mich alles so ein bisschen in Perspektive. Eigentlich nur Teil eines großen Gleichgewichts zu sein. Eigentlich nur ein sehr selbstsüchtiger Salat zu sein.

QITAN

*Die Videoreihe “The Simple Chemics” stammt vom Kanal (inzwischen auch mit App und Website) “The Simple Club”. Dieser “Club” bietet Erklärvideos zu naturwissenschaftlichen Themen, speziell zugeschnitten auf das Gehirn der jugendsprachbegebten Schüler und Studenten. Und dieser Kanal, beziehungsweise ihre Betreiber, ist auf meiner Liste (zu der auch irgendwann mal ein Artikel kommt). Der: “Die Liste der Personen, die ich auch beim besten Willen nicht ab kann”. Diese Liste besteht aus Personen die schon was Tolles machen, keine Frage, aber wie sie es machen, dass kann ich einfach nicht ab. Julia Engelmann zum Beispiel. Ich hasse Julia Engelmann.

**Und “The Simple Club” stehen auf dieser Liste weil sie zwei Hipnes-Grundsätze ganz grundsätzlich missachten (zu denen auch irgendwann mal ein Artikel kommt). Und zwar den wichtigeren: §3: Hipnes basiert nicht auf “sich hip verhalten” sondern auf “hip sein”, wobei ein hippes Verhalten niemals zum Hip-Sein führen kann, da das Hip-Sein darüber definiert ist, dass man es eben nicht nötig hat sich hip zu verhalten. Diesen Grundsatz missachtet “The Simple Club” vorallem durch schlechte Anspielungen, Wortwitze und die Verwendung von “Jugendsprache”. Auch diese Jugendsprache verstößt gegen einen Hipnes-Grundsatz: §21 Ein Wort als Jugendsprache zu bezeichen, basierend entweder auf dem Jugendsprache Wörterbuch von PONS oder dem Wettbewerb “Jugendwort des Jahres” vom Langenscheidt Verlag, negiert automatisch die Eigenschaft des Wortes, Teil der Jugendsprache zu sein. Desweiteren verletzt “The Simple Club” auch einen eher marginalen Grundsatz: §79 Die Verwendung von Pipi-Kacka-Humor durch Ältere um bei Jüngeren gut anzukommen ist nur Minecraft/Fortnite/Clash Royale Youtube Kanälen sowie Pädophilen vorbehalten. Beide Personengruppen sind als unhip anzusehen, Letztere sogar als allgemein gesprochener “Untermensch”. Out.