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27 | Blue Marlin und der alte Mann

“Ich bin der neue Heinrich Heine, nur mit frischer Rasur” rapt Shindy auf Megalomanie. “Was würde ich bloß tun hier, wär’ ich nich’ Rapstar? Wahrscheinlich wär’ ich der neue Erich Kästner” beantwortet Samy Deluxe auf seinem leider gar nicht so poetischen Album Poesiealbum selber seine Fragen. Neue Dichtung. Was will diese Artikelserie? Zeigen, dass Rap mehr ist als Kollegahs AK`s im Wandschrank und zu wissen wer der Babo ist. In dieser Serie werde ich mich mit einzelnen Glanzstücken des zeitgenössischen Deutschraps beschäftigen und diese 3 Minuten genauso wie ein Gedicht behandeln. Wie neue Dichtung. Den Anfang macht Blue Marlin von Marteria. Alle hier erwähnten Textstellen stammen aus einer Ausgabe von “Der alte Mann und das Meer” der Büchergilde Gutenberg mit Zeichnungen von Seymour Chwast. Die hier angeführten Lyrics stammen von Lyrics Genius. Warum jede einzelne Zeile eines Raptracks analysieren und interpretieren? Schon mal was vom Füllreim gehört? Ja, aber ab einem gewissen Punkt wird so ein Track Dichtung. Und Dichtung kommt von verdichtet. Einer ganz und gar nicht zufälligen Anordnung von Wörtern, also wird auch jedes Wort gewichtet.

Von Johannes Hassenstein

Im Diskolicht verschwinden hinter mir die Berge/Das kinderlose Tindervolk betrinkt sich in Moet’s Taverne

Das verschwinden der Berge im Rücken bezieht sich wohl auf den Beginn der Ausfahrt des Fischers: “Er konnte jetzt das Grün des Ufers nicht sehen, sondern nur die Kuppen der blauen Hügel”. Desweiteren bemerkt der alte Mann: “Ich kann immer mit Hilfe des Lichtscheins über Havanna reinkommen”. Havanna, eine Stadt die für ihr Nachtleben und ihre Tanzkultur bekannt ist (Havannazigarren bleiben in unseren Köpfen als ein Symbol für hochqualitatives Nachtleben, kubanischer Rum und Musik als das Ultimum an ehrlichem, zeitlosen Vergnügen). Die klangliche Dopplung des kinderlosen Tindervolks bezieht sich wohl auf die neu gebildete Single Generation für die Kinder und Beziehungen unwichtig gegenüber persönlicher und beruflicher Entfaltung sind. Diese betrinkt sich in Moet`s Taverne. Wahrscheinlich in einem modernen Havanna. Die Taverne ist dabei ein Wortspiel und bezieht sich sowohl auf die Champagnermarke Moet, die besonders im Bereich der 25- bis 35-Jährigen Frauen als Pseudo High-End Marke beliebt ist als auch auf Moe`s Tavern aus der Fernsehserie Die Simpsons. Die für ihre sozialkritischen Themen und geschickten Anspielungen bekannt ist. Man bedenke, das waren nur zwei Zeilen

Die Küsten sind verlor’n, das Wettrüsten der Resorts/Zerstört alles hinterm Rücken meiner Pferde

Wettrüsten der Resorts bezieht sich wohl auf die explodierende Menge an Ferienclubs und Bungalow Siedlungen die spezifisch für den ausländischen und wohlhabenden Tourismus bestimmt sind. Teilweise werden komplette Landstriche nur für den Tourismus bewirtschaftet, er wird zum einzigen Arbeitgeber. Das hat vielen, ansonsten wirtschaftlich schwachen Ländern viel Geld aber auch viel Abhängigkit beschehrt. Aufgrund dieses Problems werden beim Kampf um die Touristen nur selten Umweltprobleme beachtet und so ganze Landstriche nachhaltig zerstört. Im Buch wird der Tourismus nur ganz kurz erwähnt, bildet jedoch die Abschlussszene des Buches und bekommt sie trotzdem eine wichtige Rolle: “An jenem Nachmittag war eine Touristengesellschaft in der Terrace […] “Was ist denn das?” fragt sie einen Kellner und zeigt auf das lange Rückgrat des großen Fisches […] “Ein Hai.” Er [der Kellner] beabsichtigt hiermit zu erklären, was geschehen war. “Ich wußte gar nicht, daß Haifische so schöne, wohlgeformte Schwänze haben.” Diese Stelle bildet gemeinsam mit anderen Szenen die Thematik der Kollision mit der Moderne, die noch öfter im Track referenziert wird. “Hinterm Rücken meiner Pferde kann sich nicht direkt auf die Geschichte beziehen, erzeugt jedoch das Bild vom in den Sonnenuntergang reitenden Lone Wolf, der die zerstörte Gesellschaft hinter sich lässt, brennende Brücken zeichnen seinen Weg. Ein ähnliches Bild entsteht wenn der alte Mann die erste Nacht beginnt. Auch sein Boot fährt weg vom Land, die Küste hinter seinem Rücken. Wer gerne möchte darf sich hier noch eine Anspielung auf die Einheit der Motorleistung denken. Der Motor am Heck des Bootes und Antrieb des selben, seine Stärke gemessen in PS, Pferdestärken.

Bin konzentriert, all meine Sinne sind geschärft/Doch die dunklen Kreaturen da unten schützen ihre Perle/Ein blauer Marlin sitzt so tief in meinem Herzen/Nieder mit dem König, glaub’ nur an den Herrscher dieser sieben Meere

Die Perle bezieht sich wohl auf die begehrte Perle einer Auster. In einem anderen maritimen Klassiker der Literatur, 20.000 Meilen unter dem Meer finden die Hauptcharaktäre Kapitän Nemo und Professors Pierre Aronnax vor der Küste von Ceylon eine gewaltige Perle die seit Jahrtausenden gewachsen sein muss. Und das direkt nach einer gefährlichen Begegnung mit einem Hai, also einer dunklen Kreatur die die Perle schützt. Der ebenfalls einige Zeilen später noch Erwähnung findet. Dass der blaue Marlin tief in seinem Herzen sitzt bezieht sich wohl auf die intensive Beziehung, die der alte Mann und sein Fisch im Verlauf der Geschichte entwickeln. “Als der Hai den Fisch anfiel, war es, als ob er [Der alte Mann] selbst angefallen würde”. Die Bezeichnung des blauen Marlins als König bezieht sich wohl nur auf die ungeheure Größe des Fisches und, dass er aufgrund seines Schwertes und seines ruhigen Schwimmverhaltens etwas majestätisches an sich hat.

All die toten Schiffe sind erbärmlich/Aufgeben ist nicht drin und ein Begriff, den ich nie lernte/Die Haie da im Riff sind längst nicht so gefährlich/Wie das Gift, das mich trifft, der portugiesischen Galeere

Tote Schiffe gibt es im Bermuda-Dreieck das direkt vor der Küste Kubas (dem Schauplatz der Geschichte) liegt, im Buch selber aber keinerlei Rolle spielt. Viel wichtiger ist die folgende Zeile. In der Geschichte kämpft der alte Mann drei Tage lang mit dem Fisch. Und es ist ein ungewöhnlicher alter Mann “Aber du bist doch jahrelang vor der Moskitoküste auf Schildkrötenfang gegangen und deine Augen sind gut.” bemerkt der Junge “Ich bin ein merkwürdiger alter Mann.” antwortet der alte Mann da. Ein ungewöhnlicher alter Mann der auch in einem aussichtslosen Kampf nicht aufgibt. Gelernt hat er das wohl bei einem Armdrückwettbewerb über mehrere Tage, der im Buch erwähnt wird. Sowohl die Haie als auch die portugisische Galeere spielen eine Rolle in der alte Mann und das Meer. Die Portugiesische Galeere wird am ersten Tag vom alten Mann als “Aqua mala”, Hure verschrieen als er ihr vor der Küste begegnet, jedoch keine Verletzung davon trägt. “Die schillernden Blasen waren wunderschön. Aber sie waren das Hinterlistigste, was die See barg, und der alte Mann sah mit Vergnügen, wenn die großen Meerschildkröten sie fraßen.”. Die Haie spielen eine größere und zentralere Rolle im Buch, da sie den Fisch nach und nach zerfressen. “Der Hai näherte sich schnell von achtern, und als er den Fisch anfiel, nahm der alte Mann das Aufsperren seines Rachens wahr und seine seltsamen Augen und das knackende Zuschnappen der Zähne, als er gerade oberhalb des Schwanzes in das Fleisch vorstieß”. Interessant ist, dass in der Geschichte selber, tatsächlich die Haie gefährlicher als die Galeere waren. Man kann den Vergleich aber so auffassen, dass ein Fischer gegen jeden Hai noch kämpfen und siegen kann. Wickeln sich die fast unsichtbaren Nesselfäden der Galeere aber um die Angelschnur und reißen so über die Hände des Fischers bleibt keine Chance auf einen fairen Kampf.

Blue Marlin, hab’ dich mein Leben lang gesucht/Dachte schon all die Meere sind verflucht/Blue Marlin, wollte dich nur kurz was fragen/Geh ran jetzt! Hallo, ich bin Marten!/Blue Marlin, hab’ dich mein Leben lang gesucht/Dachte schon die Ozeane sind verflucht/Blue Marlin, los, schenk mir diesen Tag

Der Blaue Marlin ist ein gewaltiger Raubfisch der aufgrund seines ikonischen Schwertes eine beliebte Trophäe für Angler ist. Marteria selber hat einen Blauen Marlin auf der Reise für das Ring der Nebelungen Album vor Jamaika gefangen. Im Buch fängt Santiago seinen vor der Küste von Kuba. Das “nur kurz was fragen” könnte sich auf eine andere Kurzgeschichte beziehen, die des Fischers und seiner Frau in der ebenfalls ein alter Fischer einen Fisch fängt, der kann sprechen und einen Wunsch erfüllen, wenn man ihn wieder zurück wirft. Der Befehl “Geh ran jetzt!” bezieht sich wohl auf das erbitterte flehen des Fischers, dass der große Fisch, den er am Köder spürt auch anbeißen soll “Genier dich nicht, Fisch. Friß sie [die Fische am Köder]!” oder “Gott hilf ihm, daß er [der Fisch] anbeißt”. Gleichzeitig geht man auch am Telefon ran, daher wohl “Hallo, ich bins”. Direkt am Beginn der Geschichte wird erzählt, dass der alte Mann wohl verflucht sei, weil er schon seit vierundachtzig Tagen keinen Fisch mehr gefangen hat. “Aber nach vierzig fischlosen Tagen hatten die Eltern des Jungen ihm gesagt, daß der alte Mann jetzt bestimmt für immer salao sei, was die schlimmste Form von Pechhaben ist […]” . “Schenk mir diesen Tag” wird sich wohl einfach auf diesen einen besonderen Tag im Leben eines Anglers beziehen, an dem er seinen größten Fisch fängt, seinen großen Tag eben.

Mein Aberglaube pumpt durch meine Adern/Keine Bananen mit aufs Boot, guten Rutsch ins neue Jahr/In meinem Motor wohnt ein alter Mader/Doch nichts auf dieser großen weiten Welt ist gut, weil’s teuer war

Der Irrglauben, dass Bananen an Bord Unglück bringen würden stammt aus dem 17. Jahrhundert: Damals verschwanden häufig Handelsschiffe die Bananen geladen hatten, Ursache ungeklärt. Oft versteckten sich in den Bananenstauden auch tropische Spinnen, so waren Bananen ein nicht sonderlich gern transportiertes Gut. Im Zusammenhang weist diese Zeile aber zusätzlich darauf hin, dass der alte Mann ohne Proviant losgefahren ist: “Der alte Mann trank langsam seinen Kaffee. Das war alles, was er den ganzen Tag über zu sich nehmen würde” und sich während des dreitägigen Kampfes nur von gefangenen, rohen Fischen ernährt. “Was für ein ausgezeichneter Fisch eine Makrele ist. Und was für ein jämmerlicher Roh. Ich werde niemals wieder ohne Salz oder Limonen in einem Boot hinausfahren” stellt er schließlich am dritten Tag fest. Automotoren werden oft durch Mader beschädigt, Marterias Schiff, das wohl ein Motorboot ist, könnte ebenfalls einen Motorschaden haben, der abergläubisch von einem Marder stammt, die ja nicht auf See leben. Diese Zeile setzt die vorangegangene Zeile über den Aberglauben auf See fort und stellt eine Verbindung zur Moderne-Männer-Thematik von Buch und Lied her. Und ist dazu auch noch sehr bildlich, erzeugt die Vorstellung eines alten, weisen Mardars der fast schon Teil des Schiffes ist und von einem der vielen Häfen stammen muss. Der Satz “Nichts auf dieser großen, weiten Welt ist gut, weil`s teuer war” fasst schließlich eine der Schlüsselerkenntnisse aus dem Buch zusammen. Denn der wahre Wert des Fisches ist nicht der Preis den sein Fleisch auf dem Markt von Havanna erzielt hätte. Das stellt der Fischer fest nachdem er den Fisch ohne einen tatsächlichen Wert zurück in den Hafen bringt.

Poseidon, kannst du die Angel krumm machen?/Hab’ zum Zeitvertreib ‘ne offene Beziehung mit der Rumflasche/Stolper, bin Tollpatsch, folterst meine Brust/Dein Schwert schneidet Wellen, springst vor Freude in die Luft

Zu Poseidon, dem Gott des Meeres, ist der Bezug offensichtlich genauso wie das Bild der, durch den starken Fisch gekrümmten Angel. Nach eigener Aussage ist Marten Laciny früher alkoholabhängig gewesen, heute ist das Angeln nicht nur sein größtes Hobby sondern auch seine Ablenkung um trocken (!) zu bleiben. Da sowohl Angeln als auch der exzessive Konsum von Alkohol sehr viel Zeit in Anspruch nehmen ist damit wohl auch die Zeile erklärt. Interessant hier: Der sehr ähnliche Wortklang zwischen Rumflasche und rummachen, ebenfalls ein beliebter Zeitvertreib, ob nun beim Angeln oder intoxiniert. So wird noch einmal Bezug auf das kinderlose Tindervolk aus den ersten Zeilen genommen. An mehreren Stellen im Buch wünscht sich der alte Mann, dass der Junge da wäre um ihm zu Hilfe zu kommen denn er ist alt und manchmal ungeschickt. Außerdem muss der alte Mann die Leine an der der Fisch stetig zieht durchgehend auf der Schulter tragen um jede Bewegung abfedern zu können, das foltert Brust und Rücken. Zusätzlich ergänzt das stolperige und ungeschickte Verhalten die Thematik der vorangegangenen Zeile. Marlins verfügen über ein gewaltiges Schwert an ihrem Schnabel. An mehreren Stellen im Buch springt der Marlin in die Höhe, für den Angler ist das wichtig, sowohl um Größe und Kraft des Fisches zu messen als auch um sicherzugehen, dass der Fisch nicht wegtauchen wird (weil nun seine Luftäcke gefüllt sind und er nicht mehr tauchen kann). Im Buch springt der Marlin jedoch nicht vor Freude sondern der alte Mann bemerkt: “Vielleicht hat er plötzlich Angst gehabt. Aber er war solch ein ruhiger, starker Fisch, und er schien so furchtlos zu sein und so zuversichtlich”. Vielleicht springt der Fisch aber auch nur um anzugeben: “Warum er wohl gesprungen ist, überlegte der alte Mann. Er sprang ja fast, als ob er mir zeigen wollte, wie groß er ist”.

Schwimmst die Sandbank entlang, im Seetang gefang’n

An dieser Stelle muss man einmal den Hut ziehen. Zwar lauten die offiziellen Lyrics “Seetang” wenn Marten aber rappt ist man sich nicht so ganz sicher ob er nicht doch eher “Seetank” sagt. So bekommt ein Satz mehrere Bedeutungsebenen. In Beziehung auf den Seetang kann wohl nur das verheddern in den langen Tangfäden gemeint sein. Das passiert zwar selten, besonders nicht bei großen Fischen, aber zeichnet das selbe Bild wie die Erwähnung des Plastikteppichs. Viel interessanter ist die Wortwahl Seetank. Damit könnten nämlich die großen Aquarien gemeint sein, die Martens Alter Ego Marsimoto im Track “Blaue Lagune” referenziert, den man übrigens als geistigen Vorgänger auffassen könnte. Das Leben das, insbesondere große und Raubfische, in diesen winzigen Aquarien oder noch schlimmer Transport- und Lagerboxen führen sorgt für ein schnelles verkommen der Urtümlichkeit.

Ein Rammstein-Moment, hier kämpft Mann gegen Mann/Will nicht sehen, wie du hängst, ich neben dir posier’/Will sehen, wie du lebst, denn mein Herz schlägt in dir

Mann gegen Mann ist ein Lied der deutschen Metalband Rammstein, es handelt jedoch nicht von ähnlichen Thematiken wie Blue Marlin sonder von Homosexualität, hat also insofern nur über den Titel etwas mit der Geschichte zu tun. Der Titel jedoch gibt Hinweis auf eins der Motive aus der alte Mann und das Meer, den Kampf zwischen Mann und Mann (Fisch). Ein Motiv das Ernest Hemmingway auch in anderen Kurzgeschichten wie “Fifty Grand”, die von einem Boxer handelt aufgreift. Die folgenden zwei Sätze bilden diese Schlüsselerkenntnis aus dem Buch. Dass der Mann und der Fisch sich viel näher sind als man glauben sollte: “Bringt er mich rein oder bringe ich ihn rein?” oder “Ich bin ein müder alter Mann. Aber ich habe diesen Fisch getötet, der mein Bruder ist[…]” der Fischer baut eine emotionale Verbindung zum Fisch auf, wünscht sich sogar mit ihm tauschen zu können. Und stellt fest wie nah Jäger und Gejagter sich sind und was einen Fisch, der auf diese, ehrliche Art gefangen wurde so besonders macht. “Es gibt niemanden, der`s wert ist, ihn zu essen, wenn man die Art seines Verhaltens und seine ungeheure Würde bedenkt”. Damit ist der Satz indirekt auch ein Kommentar auf industrielle Fischerei, bei der dieser Aspekt verfällt. Auch das Jagen der indiogenen Völker zum Überleben im Kontrast mit dem industriellen Jagen gehört mit dazu.

Ich wünsch’ dir Glück auf deiner Reise/Sei nicht dumm, beweg’ dich leise/Halt dich fern von diesen aussterbenden Lebensformen/Ich bete, dass du diesen Plastikteppich nie zu seh’n bekommst

Mit den aussterbenden Lebensformen könnten durchaus die Menschen, zumindest in ihrer natürlichen, naturverbundenen Form gemeint sein. Auch im Buch trifft man immer wieder auf Bemerkungen zur modernen und entmenschlichten Welt, die den Respekt vor der Natur verloren hat. Seien es die neuen Motorboote: “Manchmal sagt einer, der sie [das Meer] liebt, böse Dinge über sie, aber er sagt es immer, als ob es sich um eine Frau handle. Manche der jüngeren Fischer, die Bojen als Schwimmer für ihre Leinen benutzten und Motorboote besaßen […] sprachen von ihr als el mar, was das Maskulinum ist.” Oder das Meer aus einem Flugzeug betrachet: “Ein Flugzeug zog auf seinem Kurs nach Miami über ihn hinweg […] Es muß sehr merkwürdig in einem Flugzeug sein, dachte er. Wie wohl die See von der Höhe her aussieht?”. Der Plastikteppich bezieht sich offensichtlich auf die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll (wie bereits beim Seetang erwähnt).

Blue Marlin, hab’ dich mein Leben lang gesucht/Dachte schon die Ozeane sind verflucht/Blue Marlin, und du schenkst mir diesen Tag/leg’ eine Rose ab auf Hemmingways Grab

Man kann davon ausgehen, dass Marteria zu Hemmingway aufschaut, sich vielleicht sogar als einen neuen Hemmingway versteht. Beide waren Männlichkeitsvorbilder, hatten eine Leidenschaft für Sport, Hemmingway fürs Boxen, Marten für Fußball. Der letzte Satz würdigt Hemmingways Buch und ihn als Person anstatt zu versuchen, dass Gedankengut als sein eigenes auszugeben.

QITAN