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68 | Der Abgesang

Glückstaumelige Kehlköpfe grölen die letzten Takte von Wonderwall. Und ich war noch nie ein Fan von Rausschmeißermucke. Irgendwie schade. Danach schmeckt der ganze Abend bitter, als hätte man zu viel Gin Tonic gehabt. Ich hab mal ein Interview mit einem DJ gelesen, da hat der gesagt, dass wer um 4 noch da ist, der hält auch bis zum Ende durch. Dann spielt er nur noch Trance und lässt langsam ausklingen. Als wir rausgehen ist es schon hell. So eine der Morgen danach Stimmung liegt in den Menschen, die mich umgeben.

Von Johannes Hassenstein

Und es ist tatsächlich greifbar. Nicht wie 18 werden. Nicht wie nicht mehr Jungfrau sein. Da stehst du dann morgens vor dem Spiegel und denkst dir: also so anders ist es jetzt auch alles nicht. Aber das hier. Das hier ist greifbar wie Topfhenkel. Die Lehrer sind Menschen mit Vornamen geworden. Nur Björn und Maya haben bis zum Ende durch gehalten. Jetzt gehen wir zu Fuß zur Veddel. Manche noch im Anzug. Ich schon im Pulli. Ich sage zu Kai, dass er aussieht, wie der brennende Mann auf dem Pink Floyd Cover. Das Licht stimmt. Morgenstimmung halt. Mach ich dann auch direkt an. Wish you were here. Man versteht sich ja.

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Es ist irgendwie immer gleich. Da kommen dann Leute und sagen: “Wir hatten ja nie viel miteinander zu tun”. Und dann kommt das große aber. ABER. Ich bin gar nicht sicher, ob es Gewissen ist. Vielleicht ist es dieser Pathos, den sie verspüren. Der Anflug von überraschender Größe. Wenn nicht jetzt, wann dann. Aber ich halt mich raus. Warum denn Abschied nehmen - die, die ich wieder sehe, brauche ich nicht zu verabschieden. Und die, die ich nicht wieder sehe, sehe ich nicht wieder, weil ich mich schon längst von ihnen verabschiedet habe. Man weiß nie, wann man jemanden zum letzten Mal gesehen hat.

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Aber es war gut. Selbst die, die sonst immer rumspießen, haben sich heute gedacht: heute zeig ich es ihnen. Wie cool ich war. Und wie sehr sie mich verpasst haben, all die Jahre. Irgendwann um 2 hat Daniel aufgelegt. Hardstyle. Nichts unter 128bpm. Steh ich ja drauf. Und dann hat man auch endlich Platz zum Tanzen. Für ihn muss das groß gewesen sein. Ich hielt ihn immer für den Typen, der sich dachte: heute zeig ich es ihnen. Wie cool ich war. Und wie sehr sie mich verpasst haben, all die Jahre. Hat betrunken geweint, am letzten Schultag. Uns alle so sehr lieb gehabt. Das da oben, am Pult, das war sein Moment. Und der Moment, der war großartig. Vielleicht habe ich etwas verpasst, die letzten Jahre.

Irgendwann gegen 6 liege ich endlich bei Kai auf der Couch. Wann sieht man sich denn mal wieder, Johannes? Die Tage.

QITAN