13
Mar

33 | Irrlichter tanzten vor mir

Es müssen Tage wie eben jener Tag, der gestern gewesen war, gewesen sein an denen Schwerter aus Steinen gezogen und Ringe in die Tiefe geworfen wurden. An denen Epen begannen. Es ist eben diese diffuse Mixtur aus warmer Luft und kühlem Wind. Aus ständigem Niesel und tief hängendem Nebel. An solchen Tagen kriechen mir Schauder den Rücken hinauf wenn ich rausgeh. Und ich geh gerne raus an solchen Tagen. Denn ich habe das sichere Gefühl das heute irgendwo Irgendwas passieren wird. Passieren muss. Jemand lies wohl die Tür einen Spalt offen, denn es liegt Magie in der Luft.

Wann immer das Wetter in Hamburg im Umschwung ist (und das ist ganz schön oft so) dann hat man das Glück, besonders am Abend, eine ganz besondere Art von Stimmung wahrzunehmen. Zumindest habe ich dieses Glück. Wenn, so wie jetzt, die kalten Tage den Warmen weichen dann geschehen merkwürdige Vorgänge. Die drückende Luft entlädt sich in Form von Sturzregen und Gewittern. Ständig nieselt es aber nie so stark dass man nicht rausgehen könnte. Die Luft ist zwar noch warm von der Sonne. Und selbst wenn sie es nicht wäre: Man ist die zweistelligen Grade so wenig gewohnt, dass sie einem trotzdem warm vorkommen würde. Aber der Wind. Der Wind ist immer noch kühl und kriecht unter das Shirt.

Magiewetter sag ich dann immer. Irgendwie wird was passieren. Und ich gehe gerne raus, auch nachts noch, um das was passieren wird nicht zu verpassen. Dieses Wetter beruhigt mich. Es gibt mir Aufbruchsstimmung. Etwas ist gerade dabei loszulegen, es fängt an. Beruhigend, weil es ein Gefühl von Schwäche ist. Selbst in dieser, gleißend hell durchstrahlten Welt gibt es noch Undurchsichtiges und Verschommenes. Nicht klar Definiertes. Nebel steigt auf und lässt die langen Straßen kurz erscheinen. Jogger auf Brücken werden zu Vorboten des Unterganges. Fahrradlampen durchstechen wie Dolche den Nebel und tanzen als Irrlichter den Schotter entlang.

Ich habe das Gefühl ewig Zeit zu haben. Solange dieses Wetter ist bekommen Dinge andere Bedeutung. Metamorphose. Die Luft riecht so. Bedeutungsschwanger. Als ob alles was ich tue einem größeren Zweck dient. Einem Zweck den ich nicht verstehen kann aber auch nicht verstehen muss. Das beruhigt mich denn so ist alles irgendwie ganz schön okay. Ich habe ja auch Zeit. Und alles hat Bedeutung.

Am nächsten Tag ist der Himmel grau, es regnet, 9 Grad. Die Tür ist zu gefallen.

QITAN

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