24
Mar

36 | #DeleteTheInternet

Ich war ja nie auf Facebook. Das war mir immer zu vollgemüllt mit Menüs und Unterseiten. Und so richtig verstanden was ich da nun genau machen soll hab ich auch nie. Aber auch ohne mich ist Facebook das größte Soziale Netzwerk des Planeten. Von Mark, gegründet nachdem er einen Weg gesucht hatte, seine Frustration über die Abweisung von Frauen zu verarbeiten. Mit einem Netzwerk in dem Frauen nur aufgrund ihres Aussehens bewertet werden können. Hätte jetzt auch Tinder werden können, wurde dann aber Facebook.

Es ist schon ironisch, diese #DeleteFacebook Kampagne (Weiteres zu der Debatte hier). Sich auf die Kraft der sozialen Netzwerke zu verlassen um gegen das Mutterschiff zu kämpfen. Nachdem ein bewusst offen gelassenes Datenleckmissbraucht und die Öffentlichkeit viel zu spät informiert wurde, ruft der Gründer von Whatsapp, Brian Acton, zum Löschen des eigenen Accounts bei Facebook auf. Er, der sein eigenes Unternehmen an Facebook verkauft hat. Und das tut er über ein anderes, soziales Netzwerk. Twitter. Und wir. Wir verkünden unsere heroische Attacke auf den bösen Großen Bruder via Instagram. Ein Unternehmen, dass ebenfalls wem gehört? Facebook!

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Ähnlich wie vorherige Hashtag-Kampagnen, zum Beispiel #MeToo, wird vorallem auf die Kurzsicht der Leute gewettet. Denn Facebook löschen löst das Problem auch nicht. Das Internet ist kommunistisch. Keine Herrschaft, Alle gleich, Alles Gemeingut (zum Beispiel Creative Commons oder Open Source Projekte). Zwar hat Amerika einen großen Schritt in die falsche Richtung getan, mit der Kongress Entscheidung gegen Net-Neutrality (die Entscheidung dafür, dass ein Internet Anbieter für bestimmte Seiten oder Verbindungen verschieden viel oder überhaupt Geld verlangen kann). Aber das Internet war schon vorher nicht wirklich das, was es hätte sein sollen.

Denn das ganz große Geld wird nicht mit personalisierter Werbung oder Abosystemen gemacht (Youtube versucht gerade Nutzer mit immer mehr Werbung zu nerven um sie für den kommenden Umschwung zum abobasierten Fernsehen weichzukochen). Sondern mit Daten. Deinen Daten*. Und die werden immer wichtiger. Bisher hat man, allen voran Google, nur Daten gesammelt. Aber jetzt ist die Rechenleistung da um das aller wertvollste aus diesem Rohstoff herzustellen. Vernküpfte Daten. Wer das nicht will hat nur eine Möglichkeit. #DeleteTheInternet

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Denn so gut wie alles basiert heute auf dem Internet. Aktuelle Nachrichten, Entertainment, Einkauf, Haushalt (Smart Home), sogar politisches Engagement. Und jedes Mal entstehen Daten. Über dich. Der Roomba 900 von Irobot hat wohl über mehrere Jahre hinweg präzise Karten deiner Wohnung angefertigt Irgenwie pervers. Aber jetzt das Internet löschen?

Noch nie waren so viele Geister gleichzeitig verknüpft. Noch nie war so viel für ein Individuum möglich. Aber damit das Internet tatsächlich als Grundlage unser Gesellschaft fungieren kann müssen die ganzen Minen raus. Und das können nur wir machen. Ein neuer Gesetzesentwurf, ab Mitte Mai in Kraft, sieht die Mobilität von Daten vor. Netzwerkbetreiber sind verpflichtet dir deine Daten in einer maschinenlesbaren Form zur Verfügung zu stellen. Und so kannst du dann von Facebook einfach in einen anderen Stall ziehen.

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Aber das löst das Problem nicht, es beschleunigt es nur. Ganz im Sinne des, auch mit Hashtag, #akzelerationalismus. Mein Fazit zu dieser Philosophie war #fuckzelerationalismus. Zwar sind die Gründe bei einem Netzwerk zu bleiben immer die selben: Meine Freunde sind da und meine Sachen sind da. Und dieses neue Gesetz erleichtert den Wechsel. Aber viel wichtiger ist es, dass wir umdenken. Dass du umdenkst. Dir muss klar werden, dass es im Internet nichts mehr umsonst gibt. Das der Kapitalismus sich jeden freien Raum einverleiben wird. Wir streuben uns ja schon gegen Versandkosten, weil sie kein reales Gut sind. Und so streuben wir uns auch für virtuellen Content zu bezahlen.

Dir muss eins klar werden. Wenn es nichts kostet bist du nicht der Kunde. Du bist das Produkt.

QITAN

Die Bilder aus diesem Artikel stammen aus der “Mach Facebook zu deinem Facebook” Kampagne der Firma Facebook. Sie wurden allerdings nachträglich verändert.

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