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41 | Moderate Endzeitgefühle

Fünfter Gang. Der Ford scheint die Strasse kaum mehr zu berühren. Licht sickert durch Ritzen in Wänden. In Beton. Asphalt. Momente werden zuerst Bruchstücke, dann Fragmente, dann Eindrücke. Abge. Hac. Kt. E. Erinnerung, nur noch Erinnerung bleibt. Alles geliehen. Du küsst ein letztes Mal. Das Chrom glänzt hell auf als würden 30 Sonnen strahlen. Blick in den Rückspiegel. Hinter dir wird es hell, grell, heller, heiß, greller, heißer. Kupplung, Sechster Gang , Gaspedal bis zum Anschlag, fast durch den Boden. Du blickst nicht mehr zurück. Das Licht verrschlingt dich. Die Hitze zerreißt dich. Ganz langsam wird der Ford von hinten nach vorne vom Licht verschlungen. Weiß strahlt. Schwarz.

Von Johannes Hassenstein

Wir stehen im Stadtpark, am Sonntag war ja denn endlich sowas wie Sommer gewesen. Nur heute nicht. Es ist kalt - wir grillen. Till war extra auf dem Markt, Würstchen im Echtdarm. Liam hat nur Gut und Günstig mitgebracht. Wie wir da so stehen, Männer in ihrem Element. Feuer und Wurst. Aus Kais Box läuft besänftigender Hip Hop, wir wechseln langsam auf Elektro.

Spotify Single


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Moderat. A New Error. Alles bleibt stehen, einfach mitten in der Luft hängen. Stasis. Es ist dieser Moment in dem du die schiefen Dissonanzen in den Raum flimmern hörst und plötzlich der wummernde Bass durch den Subwoofer hinterher sickert. Der Wind dreht auf Osten, die grosse Wiese stirbt aus und verkümmert zur kargen, endlosen Ebene. Der See schlägt Wellen, zuerst kaum mehr als eine leichte Störung, langsam aber konzentrische Ringe, als würde ein Hubschrauber direkt über der Mitte schweben. Aus dem feuchten Boden steigt Dampf.

Der wolkenverhangene Himmel beginnt. Leuchten. Schweifehintersichhertragend, rasen, kometengleich. Es war immer riechbar, dass sie eines Tages kommen würden. Die Raketen jagen die Kuppel entlang. Wir blicken uns an und wissen instinktiv. Es ist vorbei. So vorbei wie es noch nie jemals zuvor vorbei gewesen ist. Alles wird klein, nichts wird das aufhalten. Was du tust wird unwichtig sein und gleichzeitig das bedeutsamste der Welt, denn es wird dein letztes Tuen gewesen sein.

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Alle leben anders, alle sterben gleich. Die Bombe macht uns endlich. Egalite. Es ist alles scheiß egal. Wir sind so klein, und das da draußen so groß. Wir glaubten immer wir würden die Erde zerstören aber eigentlich. Eigentlich zerstören wir nur uns. Es ist alles so scheiß egal. Wir sind kleine Irrlichter die sich selber für die Herren dieser Welt gehalten haben ohne jemals Herren ihrer selbst geworden zu sein. Abrupt verstummen die letzten Töne. 6 Minuten und 7 Sekunden lang Endzeit.

Wir haben das alle gespürt, bei diesen ersten Tönen. Dieses kurze Flimmern dieses großen Gefühls das immer so greifbar nah, so verdammt nochmal greifbar, hinter der hauchdünnen Membran darauf wartet endlich gefühlt zu werden. Wir alle spüren das. Wie alles klein wird. Wie alles unwichtig wird. Wie der Wind dreht. Die Wellen schlagen. Der Himmel erst leuchtet dann glüht. Wie es erst heiß, dann hell, dann heißer, dann heller wird. Verlichtung.

Meine Freundin sagt später: Sie kann das nicht. Was. Das hören. Das Lied. Ja. Das zieht sie so runter. Da will man nur sterben, die Welt geht unter. Aber: Die Welt geht unter, ist das nicht schön? Wie wir ganz kurz spüren konnten wie das sein muss wenn endlich alles so ist wie es eigentlich immer hätte sein sollen. Unwichtig und gleichzeitig das bedeutsamste der Welt.

QITAN