06
Nov

6 | Die Schönheit der Welt ohne den Mensch

Während einem seiner Streifzüge durch philosophische Gefielde fragt sich Nietzsche ob die Welt auch ohne den Menschen voller Schönheit wäre. Und Nietzsche hält kurz inne, öffnet seinen Werkzeugkasten und holt seinen Hammer heraus, denn er ist der, der mit dem Hammer philosophiert. Und Friedrich nimmt die Schönheit, haut drauf, macht sie kaputt und schaut rein was drinne ist. Und stellt fest: da is nix!

Nietzsche philosophiert mit dem Hammer. Er macht kaputt und schaut woraus es ist und was es beherbergt.

Es gibt keine Schönheit ohne den Menschen. Hier darf man Friedrich nicht falsch verstehen. Er sagt nicht, dass der Mensch das einzig schöne an der Welt wäre und, dass durch seinen Verlust auch alle Schönheit flöten ginge. Weit gefehlt! Viel eher stellt Friedrich fest, dass der Mensch die Welt für voll von Schönheit hält und dabei vergißt, dass er selbst der Urheber ist. Auch hier nicht falsch zu verstehen. Der Mensch ist nicht Schöpfer des Schönen sondern Schöpfer des Prädikats.

Der Mensch glaubt die Welt selbst mit Schönheit überhäuft - er vergißt sich als deren Ursache. Der Mensch als Schöpfer des Prädikats.

Nietzsche spricht von Gattungseitelkeit. Die menschliche Gattung verwendet sich selbst als Maßstab. Schönheit wird am Menschen gemessen. Schön ist das, in dem ich mich erkenne. Das ist schon daran zu erkennen, dass wir Symetrie verehren, weil wir alles zweimal haben. Proportionen, weil wir glauben sie verstehen zu können. Farbe, weil sich unsere Wahrnehmung auf sie verlässt. Der Mensch ist Ursache der Schönheit und Richter über dieselbe. Würde jemand anders richten wäre der menschliche Maßstab völlig archaisch, würde lächerlich wirken. Brüste sind auch nur Fettballons.

Wir Menschen verlassen uns seit jeher auf zwei Dinge: Dass wir die Krone der Schöpfung sind (Hierzu gerne Der Schwarm von Frank Schätzing lesen) und das, weil Gott uns in seinem Abbild schuf (Hierzu genauso gerne Die Bibel von Gott höchstpersönlich lesen). So muss sich dann doch das Schöne nach uns richten. Aber wäre der Mensch nicht, wäre auch alle Schönheit verloren. Die Natur ist immer gleich, erst der Mensch hat sie für schön erklärt. Für Nietzsche ist das Schöne der Welt aus dem Menschen stammend. Intrinsisch motivierte, extrinsische Schönheit, die aberkannt werden kann. Aberkannt. Aber Kant. Kant. Ohne ihn wäre kein philosophisches Vorhaben komplett (leider Gottes wahr).

Nicht die Natur hat ihre Regeln. Nein, ich schreibe sie ihr vor. So sind die grundlegenden Prinzipien der Ästhetik wie der goldene Schnitt oder Symetrie nur deswegen in der Natur, weil ich sie dort sehe.

Kant sagt, dass man in Sachen von Schönheit nur den Richter spielen kann, wenn man selber völlig uneingenommen für den Gegenstand der Betrachtung ist, einem dessen Existenz völlig Wumpe ist. Nur ein solches Urteil sei kein Geschmacksurteil, das subjektiv getätigt würde. Für Kant ist Schönheit, dass sich ein Lebensgefühl, ein Gefühl in meine Welt zu passen, im betrachteten Gegenstand reflektiert. Und was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Der Mensch wird immer das für schön empfinden was ihm das Gefühl gibt hier richtig zu sein. Alles andere stößt ihn ab. Insofern ist auch nach Kant der Mensch Ursache der Schönheit.

Die Reflexion eines Gefühls, dass ich in meine Welt passe. Dass es in meine Welt passt. Dass ich hier richtig bin.

Nur kennt Kant (Kant kennt, Kent kannt, Kannt kent ?!) auch die Vernunft, die Fähigkeit des Menschen sich selbst zu vergessen und objektiv zu denken. So könnte der Mensch auch Schönheit ohne sich selbst Erkennen. Das Schöne an sich. Das ist das Schöne, das Schöne ohne mich. Ob er das tut bleibt aber ihm selbst überlassen.

Vernunft ist der Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Vernunft ist die Fähigkeit sich selbst zu erkennen.

Wenn Nietzsche von Gattungseitelkeit spricht dann tut er das um den Begriff auszumärzen. Nietzsches Übermensch, den übrigens auch Hitler ganz toll fand, ist frei von dieser Eitelkeit. Für Nietzsche ist Schönheit die Lust am Rausch, triebbasiert, für Kant aber die Lust an der Vorstellung des Rausches, vernunftbasiert. Aber trotzdem können beide glücklich werden. Wenn Kant sich vorstellt wie Nietzsche sich vergnügt. Beide glücklich.

QITAN

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