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31 | Johannes, wie geht es weiter?

Mir ist das immer unglaublich unangenehm mich selber als “Blogger” zu bezeichnen. Das Wort begleitet ein unglaublich lächerlicher Beiklang. Bloggen ist etwas das ist solange uncool bis dich jeder kennt und dann bist du plötzlich “Influencer”. Aber egal ich bin nun Blogger. Und das hier ist und war und wird bleiben: Mein Blog. Anfang letzten Jahres hab ich damit angefangen aus Protest gegen meinen Philosophielehrer die Stundenprotokolle endlos lang, respektlos und voll von triefendem Sarkasmus zu schreiben. Und habe leider angefangen mich für Philosophie und Schreiben zu interessieren. Dann der Blog. Qitan war eine Weile schon der Deckname unter dem ich krude Comics gezeichnet und ganz okaye Graffitis gesprüht hatte.

Von Johannes Hassenstein

Qitan ist chinesisch und heißt “komische Geschichte”. Und das sollte der Blog werden. Kunst, Comics, Kultur, Philosophie. Komische Geschichten. Reich den auch in mein Abi ein. Und jetzt ist es bald soweit. Abitur und ich, wir beide treffen uns. Und dann? Sach mal Johannes, wie geht das denn jetzt weiter? Der Blog war immer eine diffuse Sammlung verschiedenster Artikelformen. Essays, Interviews, Kolumnen, Mixtapes. Sogar Podcasts hab ich gemacht. Und jetzt nach einem Jahr “bloggen” vieles wieder auf den Haufen geworfen. Aber so ganz vorbei ist es nicht.

Gott sei Dank gibt es Google Analytics. Denn deswegen weiß ich, dass das Einzige was mehr als ein paar beinharte Typen gelesen haben, die Kolumnen und Mixtapes waren. Die 3000 Wörter Essays hat sich dann doch kaum Einer angetan. Und ich hatte da auch nicht wirklich viel Spaß bei. Also keine Essays mehr. Und auch keine hochtrabenden “Kulturberichte”. Sich selbst reflektieren können ist was wirklich Schönes. Was mir wirklich Spaß gemacht hat war das Schreiben. Über die kleinen Sachen. Und auch sonst so. Über die ich hier nie geschrieben habe weil ich hatte ja Anspruch. Ich wollte immer schonmal über die ungeschriebenen Regeln des öffentlichen Nahverkehrs schreiben. Und warum Julia Engelmann scheiße ist. Hab ich aber nicht. Aber jetzt.

Was wird anders? Weit weg von allem Anspruch geht es vielmehr um meine Meinung. Subjektiv. Natürlich auch zu Philosophie und Kultur. Aber eben nicht nur. Die Überschriften werden kürzer. Die Artikel numeriert und nicht mehr klassifiziert. Die Sprache wird wohl ab und an mal deftiger. Warum auch nicht, ist doch mein Blog, ich darf das (Darf er das?). Die Artikel werden kürzer, dafür häufiger. Das Design wird/wurde (noch) schlichter. Es gibt jetzt diesen sexy Button oben rechts mit dem du in den Nachtmodus schalten kannst. Ganz schön cool oder?

Wenn mich jemand fragt worüber ich schreibe und ich dann sage: Kultur, Philosophie und so. Dann krieg ich einen freundlichen Blick und ein sanftmütiges Lächeln. Das ist wohl zu hoch, mir auch, ganz ehrlich. Aber das bin nicht ich und das ist nicht mehr mein Blog. Ich bin laut, hab Meinung, abstruse Thesen und schräge Weltansichten. Interesse für so gut wie alles, genauso viel Halbwissen und kein Problem es zu verbreiten. Den Fachjargon überlasse ich ab jetzt den Anderen. Muss man ja mit 18 auch noch nicht wirklich oder.

Qitan bleibt politisch. Qitan bleibt skeptisch. Qitan bleibt ironisch. Aber dieser Blog hatte nie eine Existenzberechtigung. Er war immer nur eine Sammlung an Texten über Dinge die ich glaubte zu verstehen. Aber Spaß gemacht hat es nur manchmal. War immer sehr zeitaufwendig. Es ist Zeit für Neues, der Blog wird wohl zum Nebenprojekt verdammt. Und wird dann wohl zu allem anderen koexistieren und viel mehr meine Meinung als mein Wissen abbilden. Aber ich hoffe damit dem Blog endlich Charakter zu verleien. Die alten Sachen bleiben drauf und können weiter gelesen werden. Die Podcasts hab ich schon länger eingestellt.

Für mich beginnt jetzt eine andere Zeit. Zwei Wochen Schule, vier Klausuren, eine PL. Dann bin ich erwachsen. Mache mein FSJ am Theater. Kauf mir meinen Bus. Guck mir unsere Welt an. Und hab keine Ahnung vom Danach. Ich habe in diesem Jahr viel gelernt, was ich auf anderem Wege nicht hätte lernen können. Webdesign, HTML, CSS, JavaScript. Aber auch Korrekturlesen (und es sind immer noch Horden an Rechtschreibfehlern). Und, dass ich kein Fachidiot sein will. Dass ich von viel weniger Dingen Ahnung habe als ich immer glaube. Aber, dass ich gerne Dinge lerne und verstehe. Das ist dann wohl doch Philosophie. Ich habe in diesem Jahr mit Hapkido, Meditation und Yoga angefangen. Meine Freundin isst jetzt Vegan. Ich also auch. Es geht gerade erst los. Und damit findet der Blog sein Ende als Fachblog für Philosphie, Kultur und Kunst (was er auch nie war) und fängt stattdessen an das zu sein was er immer hätte sein sollen.

QITAN