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83 | Schokolade in Zeiten des Klimawandels

Eigentlich hatte ich mir für das Wochenende vorgenommen, meinem liebsten Hobby zu fröhnen: Parteiprogramme schreiben. Vielleicht ist sie bisher nur mir aufgefallen, aber es gibt eine eindeutige Marktlücke im deutschen Politzirkus. Dank Trump weiß ich jetzt, den Klimawandel zu leugnen schadet nicht dem politischen Image. Und das war doch ein geiler Sommer - oder etwa nicht? Ich glaube, was Deutschland fehlt, das ist eine Pro-Klimawandel-Partei! Gehen sollte das. Und an Wählern sollte es auch nicht mangeln. Schauen wir uns die beiden großen Wahl-Gewinner der Bayern-Wahl an, stellen wir fest: Wähler bekommt man mit radikalen Ansichten und dem Thema Umwelt. Warum nicht beides in einer Partei? Mathematisch könnte ich dann 27,7 % (Grüne: 17,5 % und AFD 10,2 %) aller Stimmen bekommen und wäre dann zweitstärkste Partei. Ich hatte den Bleistift schon angespitzt (in solch politisch wankelmütigen Zeiten meißel ich das mal lieber nicht direkt in Stein) und Blasenpflaster aufgeklebt. Und da hab ich dann leider unbedacht ins Abendblatt geschaut.

Von Johannes Hassenstein

Die gottverdammten Bäcker ziehen die Brötchenpreise* hoch! Offizielle Begründung: der Sommer war zu trocken. Die Bauern sagen, dass, selbst wenn sich der Getreidepreis verdoppeln würde, die Brötchen nur einen Cent teuerer werden müssten. Inoffizielle Begründung also: mal schauen, ob sie’s immer noch kaufen.

Warum ist das wichtig? Warum hindern mich die Brötchenpreise an der Gründung einer Pro-Klima-Wandel-Partei? Die Antwort ist simpel. Wenn es eine Sache gibt, an die ich unumstößlich glaube, von der ich, auf das Kommunistische Manifest schwörend behaupten würde, an dieser Sache könnte ich den Zustand der Gesellschaft fest machen. Dann ist das der Preis von Schokobrötchen.

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Mein internes Ranking der Schokobrötchen Hamburger Bäcker:

  1. Ganz klar, der Schoko Junge von Bäckerei Junge. Klitschiger Quarkteig, der den Gaumen zukleistert, echte Schokostücke. Zwar das kleinste Produkt auf der Liste, aber dafür auch zum fantastischen Preis von 99ct. Unschlagbar, wirklich.
  2. Der Schoko Wuppi von Kamps. Auch mit Zimt erhältlich. Ein Kindheitsgeschmack, vielleicht deshalb auf dem Treppchen. Denn er ist trockener geworden über die Jahre, das ist nicht zu leugnen. Die ikonische Dreieicksform aber, die ist geblieben.
  3. Der Schoko Michel von Nur Hier. Die haben vor einigen Jahren einen Großteil der Kamps Filialen aufgekauft und den Wuppi durch den Michel ersetzt. Seitdem ist er nicht mehr dreieckig (und deswegen selbstverständlich nicht auf Platz 2). Und auch etwas weicher, eher Richtung Schoko Junge. Aber der Quark fehlt. Randnotiz: Ich halte Nur Hier trotzdem zu Gute, dass sie ihre gesamte Corporate Identity um einen einzigen, flachen Witz aufgebaut haben: “Nur Hier” gibt es die besten Brötchen. Das zeugt von Hingabe.
  4. Der Generische Schokobollo von jeder Bäckerei, die nicht genug Kreativität aufbieten konnte, um ein innovatives Schokoladen-Produkt zu backen. Zum Beispiel der Schanzenbäcker (nichts gegen den Schanzenbäcker, Nudeln mit Pesto 2,90 ist unübertroffen). Ein schlichtes Rosinenbrötchen. Nur halt mit Schoko. Da kann man nicht wirklich viel falsch machen.
  5. Das Pain au Chocolat von Le Crobag. Sorry, schmeckt in Frankreich einfach besser.
  6. Der Schoko Junge Verschnitt von Dallmayers Backhus. Versucht und nicht gekonnt. Und dann auch noch viel teurer. Dazu das komplett besemmelte Personal und die sowieso schon scheißteuren Brötchen. Ich bin echt kein Dallmayer-Fan …

Ein Preisanstieg um bis zu 30 Cent ist angekündigt. Das würde bedeuten, dass der Schoko Junge dann 1,29 € kostet. Das ist ein Anstieg um 30 % ! Zum Vergleich: seit 1881 stieg die Durchschnittstemperatur in Deutschland gerade einmal um 1,3 Grad an. Kann das eine solch massive Preissteigerung justifizieren? Nein. Kategorisch Nein.

Es bleibt mir also keine andere Wahl, als mein Parteiprogramm vorerst auf (rapid schmelzendes) Eis zu legen. Zumindest so lange, wie ich dadurch nicht eine Destablisierung der Schoko-Brötchen-Preise riskiere. Denn das.

Das käme einem Weltuntergang nahe.

QITAN

* Kein Link zum Original-Artikel. Der Artikel, auf den ich mich hier beziehe, war aus der Abendblatt Ausgabe vom 18. Oktober 2018, Seite 1 und Seite 7. Da hieß es noch, die Bäcker würden behaupten, es läge an den gestiegen Getreidepreisen.